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12. Oktober 20264 Minvon Marco Kogler

Systeme, die auch an schlechten Tagen tragen

Was Wirksamkeit über Zeit trägt, wenn Motivation fehlt: Selbstverantwortung nach Reinhard Sprenger, Handhabbarkeit nach Aaron Antonovsky und Wenn-dann-Pläne.

Von Marco Kogler, Gründer der Lernplattform DWNO, der sich seit 2019 mit Metakognition, Selbstregulation und Selbstwirksamkeit befasst und die Lerninhalte der Plattform selbst entwickelt. Über Marco Kogler

Tragfähige Systeme: was Wirksamkeit über Zeit trägt

Ein tragfähiges System ist eine Arbeitsweise, die auch dann weiterläuft, wenn Kraft, Laune oder Motivation an einem Tag fehlen.

Wirksamkeit zeigt sich selten an einem einzelnen guten Tag. Sie zeigt sich an der Tragfähigkeit über Zeit: daran, ob eine Arbeitsweise sich wiederholen lässt, ohne dass sie jedes Mal neuen Schwung braucht. Gemeint ist eine Wiederholbarkeit ohne Selbstausbeutung, die auf Dauer tragfähig bleibt.

Diese Notiz beschreibt drei Bausteine solcher Systeme: die Zuständigkeit für die eigene Aufgabe, das Erleben, Anforderungen handhaben zu können, und Festlegungen, die im Voraus getroffen werden.


Selbstverantwortung bei Reinhard Sprenger: Aufgaben bei dem lassen, der sie trägt

Selbstverantwortung heißt in dieser Notiz, für die eigene Aufgabe zuständig zu bleiben, statt die Zuständigkeit an andere abzugeben.

Reinhard Sprenger, Managementautor, beschreibt in seinem Buch Das Prinzip Selbstverantwortung. Wege zur Motivation (Campus Verlag, 14. Auflage 2026, ISBN 978-3-593-52180-0) an Beispielen, was Selbstverantwortung ist und wie Führungskräfte sie fördern können. Sein wichtigster Rat an Führungskräfte: weniger Aufgaben an sich ziehen und die Verantwortung bei den Mitarbeitenden lassen.

Sprenger schreibt als Managementautor und nicht als Forscher. Sein Buch ist eine Haltung zur Führung, kein empirischer Befund. Tragfähig ist daran vor allem der Gedanke, dass ein System nur hält, wenn jemand sich dafür zuständig erklärt.


Handhabbarkeit bei Aaron Antonovsky: Anforderungen und verfügbare Mittel

Handhabbarkeit ist bei Aaron Antonovsky das Erleben, dass die Mittel vorhanden sind, um den Anforderungen zu begegnen, die auf einen zukommen.

Aaron Antonovsky, Medizinsoziologe, beschrieb 1987 in seinem Buch Unraveling the Mystery of Health (Jossey-Bass, ISBN 978-1-55542-028-4) das Kohärenzgefühl mit drei Komponenten: Verstehbarkeit, Handhabbarkeit und Bedeutsamkeit. Monica Eriksson und Bengt Lindström werteten 2006 im Journal of Epidemiology and Community Health 458 Veröffentlichungen und 13 Doktorarbeiten aus den Jahren 1992 bis 2003 aus. Das Kohärenzgefühl erwies sich darin als gut erforschte Größe, die viel erklärt, aber nicht alles.

Für ein tragfähiges System heißt das: Es hält, wenn die Anforderungen zu den verfügbaren Mitteln passen. Eine Arbeitsweise, die jeden Tag die volle Kraft verlangt, ist an schlechten Tagen nicht handhabbar.


Wenn-dann-Pläne: warum Festlegungen im Voraus tragen

Ein Wenn-dann-Plan legt im Voraus fest, wann, wo und wie eine Handlung beginnt, und nimmt damit die Entscheidung aus dem Moment.

Peter Gollwitzer, Psychologe an der New York University und der Universität Konstanz, und Paschal Sheeran nennen solche Pläne Implementierungsintentionen. In ihrer Metaanalyse über 94 unabhängige Tests fanden sie 2006 in Advances in Experimental Social Psychology einen mittleren bis großen Effekt auf das Erreichen von Zielen (d = 0,65). Eine größere Metaanalyse über 642 Tests von Sheeran, Listrom und Gollwitzer ergab 2024 im European Review of Social Psychology je nach Art des Ziels Effekte zwischen 0,27 und 0,66.

Dieselbe Arbeit zeigt auch eine Grenze. Die Pläne wirkten stärker, wenn die Teilnehmenden das Ziel ohnehin stark verfolgen wollten. Wenn-dann-Pläne ersetzen die Absicht also nicht, sie helfen ihr über die Momente, in denen sie schwach ist.


Verantwortung und Integrität: Zusagen, die auch an schlechten Tagen gelten

Integrität heißt in dieser Notiz, dass Zusage und Handlung übereinstimmen, auch dann, wenn die Lust auf die Handlung fehlt.

Verantwortung beginnt bei der Entscheidung, eine Aufgabe zu übernehmen. Integrität ist die Fortsetzung dieser Entscheidung über Zeit. Ein System, das auf Integrität beruht, setzt deshalb auf Zusagen, die verlässlich einzuhalten sind.

Das hat eine praktische Folge für jede Arbeitsweise. Eine Zusage, die nur an guten Tagen einzuhalten ist, ist zu groß bemessen. Tragfähig ist die Zusage, die auch an einem schlechten Tag noch erfüllbar bleibt.

Vergleich zweier Zusagen: zu groß bemessen, nur an guten Tagen einzuhalten, gegenüber tragfähig, auch an schlechten Tagen erfüllbar; die tragfähige Zusage ist hervorgehoben
Tragfähig ist die Zusage, die auch an einem schlechten Tag noch erfüllbar bleibt.

Was ein tragfähiges System nicht ist

Ein tragfähiges System ist in dieser Notiz nicht gleichzusetzen mit:

  • einer Produktivitätsmethode oder einem Werkzeug
  • einem Tagesplan, der jede Stunde festlegt
  • einem Weg zu einem bestimmten Ergebnis
  • dauerhafter Höchstleistung

Die Notiz beschreibt, was Wirksamkeit über Zeit trägt. Sie gibt keine Methode vor und verspricht kein Ergebnis. Welche Arbeitsweise zu einer Person und ihren Aufgaben passt, lässt sich nur an der eigenen Lage prüfen.


Typische Fehlannahmen

  • Wer genug Motivation hat, braucht kein System
  • Ein gutes System funktioniert jeden Tag gleich gut
  • Selbstverantwortung heißt, an allem selbst schuld zu sein
  • Je anspruchsvoller ein Plan, desto wirksamer ist er

Gegen die dritte Annahme spricht schon der Begriff. Selbstverantwortung meint die Zuständigkeit für das eigene Handeln, nicht die Schuld für jeden Umstand. Wer seine Zuständigkeit anerkennt, erhält einen Handlungsspielraum zurück, den die Schuldfrage gerade verdeckt.


Wo dieser Punkt weiterführt

Ob jemand ein System überhaupt beginnt, hängt an der Erwartung, damit etwas bewirken zu können. Diese Erwartung und ihre Quellen beschreibt Selbstwirksamkeit.

Ein System trägt schlechter, wenn sein Maßstab allein im Urteil anderer liegt. Wie stark das eigene Erleben von Wirksamkeit an fremder Bestätigung hängt, beschreibt Wovon man sich abhängig macht.

Was über Zeit trägt, ist weniger der große Einsatz als die regelmäßige Wiederholung. Wie Übung über lange Zeit wirkt, beschreibt Beständigkeit statt Intensität.


Gute Tage brauchen kein System.
Ein System zeigt sich an den anderen.

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MK

Marco Kogler

System-Ersteller & Entwickler des DWNO-Systems

Der nächste Schritt

Spüre das System, bevor Du Dich entscheidest.

Die Selbstklärung dauert wenige Minuten. Sie gibt Dir eine Richtung, wo dieser Beitrag Dir im Alltag weiterhilft.

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