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12. Oktober 20264 Minvon Marco Kogler

Abhängigkeit von Anerkennung: wovon man sich abhängig macht

Wie stark das Erleben eigener Wirksamkeit am Urteil anderer hängt, und was Kontrollüberzeugung und Ambiguitätstoleranz über diese Abhängigkeit verraten.

Von Marco Kogler, Gründer der Lernplattform DWNO, der sich seit 2019 mit Metakognition, Selbstregulation und Selbstwirksamkeit befasst und die Lerninhalte der Plattform selbst entwickelt. Über Marco Kogler

Abhängigkeit: wenn ein fremdes Urteil über die eigene Wirkung entscheidet

Abhängigkeit heißt in dieser Notiz, dass das Erleben der eigenen Wirksamkeit an einer einzigen äußeren Quelle hängt: an der Anerkennung anderer, an einem einzelnen Auftraggeber oder an einer Lage, die sicher sein soll.

Solange diese Quelle stabil bleibt, fällt die Abhängigkeit kaum auf. Sie zeigt sich erst, wenn die Rückmeldung ausbleibt, das Urteil kippt oder die Lage unklar wird. Dann wankt mit der äußeren Quelle auch die innere Sicherheit.

Ablauf in drei Schritten: Quelle stabil, Quelle wankt, innere Sicherheit wankt; der letzte Schritt ist hervorgehoben
Wankt die äußere Quelle, wankt mit ihr auch die innere Sicherheit.

Diese Notiz beschreibt drei Größen, an denen sich das untersuchen lässt: Abhängigkeit von Anerkennung, Kontrollüberzeugung und Ambiguitätstoleranz.


Abhängigkeit von Anerkennung: Selbstwert, der an Bedingungen hängt

Abhängigkeit von Anerkennung beschreibt einen Selbstwert, der steigt und fällt, je nachdem, ob andere Leistung, Aussehen oder Verhalten bestätigen.

Jennifer Crocker und Connie Wolfe, Psychologinnen an der University of Michigan, nannten das 2001 in der Psychological Review bedingten Selbstwert. Sie knüpften an William James an, der schon 1890 beschrieb, dass der Selbstwert mit Erfolgen und Misserfolgen in den Bereichen schwankt, auf die jemand seinen Wert gesetzt hat. Die Autorinnen fragen ausdrücklich, ob solche Bedingungen eher eine Stütze oder eine Verletzlichkeit sind.

Entscheidend ist damit weniger, wie hoch der Selbstwert ist, als woran er hängt. Wer ihn an das Urteil anderer bindet, gibt dieses Urteil aus der Hand.


Warum die Suche nach Bestätigung das Lernen erschwert

Das Streben nach Bestätigung bringt kurzfristig ein gutes Gefühl und kann auf längere Sicht mehr kosten, als es einbringt.

Jennifer Crocker und Lora Park fassten 2004 im Psychological Bulletin zusammen, was geschieht, wenn Menschen in einem Bereich ihren Wert beweisen wollen. Sie reagieren auf Bedrohungen in diesem Bereich so, dass Lernen, Beziehungen, Selbstbestimmung und Selbststeuerung darunter leiden können. Den kurzfristigen emotionalen Vorteilen stehen nach Crocker und Park oft langfristige Kosten gegenüber.

Die Arbeit ist eine Übersicht mit eigenem Deutungsvorschlag und kein einzelner Versuch. Belastbar ist die Richtung: Wer jede Aufgabe als Prüfung des eigenen Werts erlebt, schützt sich vor Fehlern, statt aus ihnen zu lernen.


Kontrollüberzeugung: was sich selbst beeinflussen lässt

Die Kontrollüberzeugung ist die allgemeine Erwartung eines Menschen, ob das, was auf sein Handeln folgt, vom eigenen Verhalten abhängt oder von Zufall, Glück und anderen Menschen.

Julian Rotter, Psychologe an der University of Connecticut, beschrieb diese Erwartung 1966 in den Psychological Monographs. Er unterschied eine internale Kontrollüberzeugung, bei der jemand Ergebnisse als Folge des eigenen Handelns sieht, von einer externalen, bei der er sie äußeren Kräften zuschreibt.

Rotter selbst wandte sich 1975 im Journal of Consulting and Clinical Psychology gegen Missverständnisse des Begriffs und gegen Fehler beim Messen. Der Begriff betrifft nach Rotter die jeweilige Lage ebenso wie Unterschiede zwischen Menschen.


Ambiguitätstoleranz: Unsicherheit aushalten

Ambiguitätstoleranz ist die Fähigkeit, mehrdeutige, unklare oder widersprüchliche Lagen auszuhalten, ohne sie vorschnell aufzulösen oder als Bedrohung zu erleben.

Else Frenkel-Brunswik, Psychologin an der University of California in Berkeley, beschrieb 1949 im Journal of Personality das Gegenstück, die Intoleranz gegenüber Mehrdeutigkeit, als Merkmal der Persönlichkeit, das sich im Gefühl und in der Wahrnehmung zeigt.

Adrian Furnham, Psychologe am University College London, und Joseph Marks sichteten 2013 in der Zeitschrift Psychology die Forschung seit 1995. Sie stellen verschiedene Fragebögen zur Ambiguitätstoleranz nebeneinander, kritisieren sie und benennen, warum das Feld nur teilweise vorangekommen ist. Der Begriff ist damit gut eingeführt, seine Messung bleibt uneinheitlich.


Was Abhängigkeit in dieser Notiz nicht ist

Abhängigkeit ist in dieser Notiz nicht gleichzusetzen mit:

  • Sucht oder dem Konsum von Mitteln
  • Verbundenheit mit anderen Menschen
  • dem Wunsch nach Rückmeldung

Rückmeldung und Anerkennung sind wertvoll. Abhängig wird das Erleben von Wirksamkeit erst, wenn es an einer einzigen äußeren Quelle hängt und ohne sie nicht mehr trägt.

Fragen der Sucht gehören in fachliche Begleitung durch Ärztinnen, Ärzte oder Beratungsstellen. Diese Notiz behandelt sie nicht.


Typische Fehlannahmen

  • Wer Anerkennung braucht, ist schwach
  • Eine internale Kontrollüberzeugung heißt, alles selbst in der Hand zu haben
  • Ambiguitätstoleranz bedeutet, keine Entscheidung zu treffen
  • Unabhängigkeit heißt, auf niemanden angewiesen zu sein

Gegen die zweite Annahme spricht schon der Begriff von Julian Rotter. Die Kontrollüberzeugung beschreibt eine Erwartung und keine Tatsache. Wer glaubt, jedes Ergebnis selbst zu bestimmen, überschätzt den eigenen Einfluss ebenso, wie jemand ihn unterschätzt, der alles dem Zufall zuschreibt.


Wo dieser Punkt weiterführt

Die Erwartung, durch eigenes Handeln etwas bewirken zu können, ist mit der Kontrollüberzeugung verwandt und doch eine eigene Größe. Sie beschreibt Selbstwirksamkeit.

Wer weiß, worin die eigene Arbeit wirkt, braucht das Urteil anderer weniger als einzigen Maßstab. Diesen Zusammenhang beschreibt Beitrag: wodurch Arbeit Wirkung entfaltet.


Anerkennung tut gut.
Tragen sollte sie nicht allein.

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MK

Marco Kogler

System-Ersteller & Entwickler des DWNO-Systems

Der nächste Schritt

Spüre das System, bevor Du Dich entscheidest.

Die Selbstklärung dauert wenige Minuten. Sie gibt Dir eine Richtung, wo dieser Beitrag Dir im Alltag weiterhilft.

DWNO Notizen

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