Von Marco Kogler, Gründer der Lernplattform DWNO, der sich seit 2019 mit Metakognition, Selbstregulation und Selbstwirksamkeit befasst und die Lerninhalte der Plattform selbst entwickelt. Über Marco Kogler
Feedback und Lernplateau: zwei Seiten desselben Verlaufs
Feedback ist eine Rückmeldung darüber, wie nah ein Ergebnis am angestrebten Ziel liegt, und ein Lernplateau ist eine Phase, in der trotz Übung kaum Fortschritt sichtbar wird.
Beide gehören zum Üben über lange Zeit. Feedback macht sichtbar, wo nachjustiert werden kann. Das Plateau zeigt, dass Fortschritt beim Üben selten gleichmäßig verläuft.
Diese Notiz beschreibt, was die Forschung über wirksame Rückmeldung, über die vier Stufen der Kompetenz und über Plateaus sagt, und wo das Erleben von Flow in diesen Verlauf gehört.
Feedback und Feinjustierung: warum Rückmeldung auch schaden kann
Feedback verbessert Leistung im Mittel, aber nicht in jedem Fall.
Avraham Kluger und Angelo DeNisi werteten 1996 im Psychological Bulletin 607 Effektstärken aus Feedback-Studien aus. Im Mittel verbesserte Feedback die Leistung, in über einem Drittel der Fälle verschlechterte es sie. Die Autoren erklären das mit dem Ort, an den Feedback die Aufmerksamkeit lenkt: Je stärker es auf die eigene Person zielt und je weniger auf die Aufgabe, desto schwächer wirkt es.
John Hattie und Helen Timperley kamen 2007 in der Review of Educational Research zu einem verwandten Schluss. Feedback gehört zu den stärksten Einflüssen auf das Lernen, doch ob es hilft, hängt an der Art der Rückmeldung und an der Weise, wie sie gegeben wird. Feinjustierung gelingt also mit Feedback zur Aufgabe besser als mit einem Urteil über die Person.
Die vier Stufen der Kompetenz: ein Lehrmodell der Kompetenzstufenentwicklung
Die vier Stufen der Kompetenz beschreiben die Kompetenzstufenentwicklung beim Lernen einer Fähigkeit als Weg von unbewusster Inkompetenz über bewusste Inkompetenz und bewusste Kompetenz bis zur unbewussten Kompetenz.
Auf der ersten Stufe fehlt die Fähigkeit, und das Fehlen fällt nicht auf. Auf der zweiten wird die Lücke bemerkt, etwa durch Feedback. Auf der dritten gelingt die Handlung, braucht aber Aufmerksamkeit. Auf der vierten läuft sie ohne bewusste Steuerung. Die zweite Stufe ist die unbequemste, weil das Bemerken der Lücke dem Können vorausgeht.
Das Modell ist in Trainings und Ratgebern verbreitet. Seine Herkunft ist nicht gesichert, und eine Studie, die die vier Stufen als Abfolge prüft, ist nicht bekannt. Es taugt als Beschreibung, nicht als Messinstrument.
Lernplateau: warum Fortschritt beim Üben zeitweise stillsteht
Ein Lernplateau ist ein flacher Abschnitt in der Lernkurve, in dem trotz fortgesetzter Übung kaum Verbesserung messbar ist.
William Lowe Bryan und Noble Harter untersuchten an der Indiana University, wie Telegrafisten das Morsen lernten, und beschrieben den Erwerb 1899 in der Psychological Review als Aufbau einer Hierarchie von Gewohnheiten. Ihre Lernkurven gelten als frühe Beschreibung solcher Plateaus. Fred S. Keller stellte 1958 im Journal of the Experimental Analysis of Behavior unter dem Titel The Phantom Plateau infrage, wie verbreitet sie tatsächlich sind.
Wayne Gray und John Lindstedt deuteten Plateaus und kurze Einbrüche 2017 in Cognitive Science als Phasen, in denen neue Vorgehensweisen ausprobiert werden, bevor die Leistung einen Sprung macht. Ein Plateau ist damit ein erwartbarer Teil des Verlaufs und kein Zeichen, dass das Üben gescheitert ist.
Flow bei Mihaly Csikszentmihalyi: wenn Anforderung und Können zusammenpassen
Flow bezeichnet einen Zustand vollständiger Vertiefung in eine Tätigkeit, in dem die Aufmerksamkeit ganz bei der Sache ist und das Zeitgefühl zurücktritt.
Mihaly Csikszentmihalyi, Psychologe an der University of Chicago, beschrieb den Zustand 1990 in seinem Buch Flow: The Psychology of Optimal Experience (Harper & Row, ISBN 978-0-06-016253-5, deutsch bei Klett-Cotta). Flow entsteht nach seinem Modell dort, wo die Anforderung einer Aufgabe und das eigene Können zueinander passen. Ist die Aufgabe zu leicht, entsteht Langeweile, ist sie zu schwer, entsteht Anspannung.
Für das Üben heißt das: Flow ist ein Hinweis darauf, dass die Anforderung passt. Wer nur noch übt, was ohne Anstrengung gelingt, bleibt in dem Bereich, in dem kein Feedback mehr nötig scheint.
Was Feedback in dieser Notiz nicht ist
Feedback ist in dieser Notiz nicht gleichzusetzen mit:
- Lob oder Kritik an der Person
- einer Bewertung, die über Erfolg oder Scheitern entscheidet
- einer Gesprächstechnik für Mitarbeitergespräche
- einer Garantie für Fortschritt
Der erste Punkt wird am häufigsten verwechselt. Nach den Befunden von Kluger und DeNisi wirkt gerade die Rückmeldung, die die Person statt der Aufgabe betrifft, am schwächsten. Ein Plateau ist ebenso wenig ein Urteil über das eigene Können, es ist ein Abschnitt im Verlauf.
Typische Fehlannahmen
- Mehr Feedback führt immer zu mehr Fortschritt
- Fortschritt beim Üben verläuft gleichmäßig
- Ein Plateau bedeutet, dass die Grenze des eigenen Könnens erreicht ist
- Flow lässt sich gezielt herstellen und dauerhaft halten
Der ersten Annahme widerspricht die Metaanalyse von Avraham Kluger und Angelo DeNisi am deutlichsten. Wenn Feedback in über einem Drittel der untersuchten Fälle die Leistung senkte, hängt sein Nutzen an der Art der Rückmeldung und nicht an ihrer Menge.
Wo dieser Punkt weiterführt
Feedback setzt voraus, dass gezielt an einer Schwäche geübt wird. Was gezieltes Üben von bloßer Wiederholung unterscheidet, beschreibt Deliberate Practice: bewusstes Üben.
Feedback auf die eigene Arbeit kann in die Sorge kippen, Fehler zu machen. Wo ein hoher Anspruch trägt und wo er blockiert, beschreibt Qualitätsbewusstsein ohne Perfektionismus.
Ob jemand eine Rückmeldung als Hinweis zur Aufgabe oder als Urteil über sich selbst liest, hängt auch am Bild der eigenen Person. Ob dieses Bild als fest oder entwickelbar gilt, beschreibt Selbstbild.
Fortschritt beim Üben verläuft selten gleichmäßig.
Rückmeldung zeigt, wo nachjustiert werden kann, und ein Plateau gehört dazu.
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