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12. Oktober 20264 Minvon Marco Kogler

Beitrag: wodurch Arbeit Wirkung entfaltet

Arbeit wird als wirksam erlebt, wenn der eigene Beitrag ankommt. Was Graebers Bullshit Jobs, Antonovskys Bedeutsamkeit und das Kompetenzerleben dazu zeigen.

Von Marco Kogler, Gründer der Lernplattform DWNO, der sich seit 2019 mit Metakognition, Selbstregulation und Selbstwirksamkeit befasst und die Lerninhalte der Plattform selbst entwickelt. Über Marco Kogler

Beitrag: der Teil der Arbeit, der bei jemandem ankommt

Ein Beitrag ist der Teil der eigenen Arbeit, der bei anderen ankommt und dort etwas verändert.

Ob Arbeit als wirksam erlebt wird, hängt deshalb weniger am Aufwand als an der Relevanz des Beitrags: an der Frage, ob das, was jemand einbringt, für irgendwen einen Unterschied macht. Viel Einsatz ohne erkennbaren Beitrag fühlt sich leer an. Wenig Einsatz mit klarem Beitrag kann sich bedeutsam anfühlen.

Vergleich von Aufwand und Beitrag: Aufwand beschreibt, was jemand hineingibt; Beitrag beschreibt, was bei anderen ankommt und dort etwas verändert. Der Beitrag ist hervorgehoben.
Ob Arbeit als wirksam erlebt wird, hängt weniger am Aufwand als an der Relevanz des Beitrags.

Diese Notiz behandelt den Beitrag als Teil des Wirksamkeitserlebens. Sie beschreibt, was die Forschung über Arbeit sagt, die als nutzlos erlebt wird, und über die Bedingungen, unter denen Arbeit Bedeutung bekommt.


Bullshit Jobs: Arbeit, die selbst als nutzlos erlebt wird

Bullshit Jobs nannte der Anthropologe David Graeber Tätigkeiten, die selbst die Menschen, die sie ausüben, für überflüssig halten.

Graeber, Anthropologe an der London School of Economics, entwickelte die These 2018 in seinem Buch Bullshit Jobs: A Theory (Simon & Schuster, deutsch bei Klett-Cotta, ISBN 978-3-608-98108-7). Er nahm an, dass ein großer und wachsender Teil der Beschäftigten Arbeit leistet, deren Beitrag sie selbst nicht erkennen können.

Magdalena Soffia, Alex Wood und Brendan Burchell prüften fünf Kernannahmen dieser These mit repräsentativen Daten aus der Europäischen Union und berichteten 2021 in Work, Employment and Society: Der Anteil derer, die ihre Arbeit als nutzlos beschreiben, ist gering und sinkt. Wer seine Arbeit so erlebt, berichtet allerdings ein deutlich schlechteres Wohlbefinden. Die Autoren führen das Erleben eher auf schlechte Führung und belastende Arbeitsumfelder zurück als auf die Tätigkeit selbst.


Bedeutsamkeit: warum sich der Einsatz für eine Aufgabe lohnen muss

Bedeutsamkeit heißt bei Aaron Antonovsky das Erleben, dass sich der Einsatz für eine Aufgabe lohnt, weil sie einem etwas bedeutet.

Aaron Antonovsky, Medizinsoziologe, beschrieb 1987 in seinem Buch Unraveling the Mystery of Health (Jossey-Bass, ISBN 978-1-55542-028-4) das Kohärenzgefühl. Es setzt sich aus drei Komponenten zusammen: Verstehbarkeit, Handhabbarkeit und Bedeutsamkeit. Antonovsky entwickelte dazu einen Fragebogen mit 29 Fragen und fasste 1993 in Social Science & Medicine Studien aus 20 Ländern zusammen, in denen er eingesetzt wurde.

Für den Beitrag heißt das: Eine Aufgabe, deren Sinn sich nicht erschließt, verliert an Gewicht, auch wenn sie verständlich und gut zu bewältigen ist. Bedeutsamkeit ist die Komponente, die den Einsatz trägt. Wer nach Sinn in der Arbeit fragt, fragt nach dieser Komponente.


Kompetenzerleben: das Erleben, etwas gut zu können

Kompetenzerleben bezeichnet in der Selbstbestimmungstheorie von Deci & Ryan das Erleben, eine Aufgabe wirksam bewältigen zu können.

Richard Ryan und Edward Deci, Psychologen an der University of Rochester, fassten 2000 im American Psychologist die Forschung zur Selbstbestimmungstheorie zusammen. Sie nennen drei angeborene psychologische Grundbedürfnisse: Kompetenz, Autonomie und soziale Eingebundenheit. Werden sie erfüllt, steigen nach diesen Befunden die eigene Motivation und das Wohlbefinden. Werden sie vereitelt, sinken beide.

Ein Beitrag wird damit auf zwei Wegen erlebt. Er kommt bei anderen an, und er bestätigt der Person, die ihn leistet, dass sie etwas kann.


Was ein Beitrag in dieser Notiz nicht ist

Ein Beitrag ist in dieser Notiz nicht gleichzusetzen mit:

  • dem Aufwand, der in eine Aufgabe fließt
  • der Anerkennung, die jemand dafür bekommt
  • einem Ertrag, der sich messen oder abrechnen lässt
  • einer Berufung, die gefunden werden muss

Der erste Punkt wird am häufigsten verwechselt. Aufwand beschreibt, was jemand hineingibt. Der Beitrag beschreibt, was davon bei anderen ankommt. Beides kann weit auseinanderliegen.


Typische Fehlannahmen

  • Wer mehr arbeitet, leistet einen größeren Beitrag
  • Ein Beitrag zählt erst, wenn andere ihn anerkennen
  • Die meisten Menschen halten ihre Arbeit für nutzlos
  • Bedeutsam ist nur Arbeit, die Großes bewirkt

Der dritten Annahme widersprechen die Daten von Magdalena Soffia und ihren Kollegen am deutlichsten. Nur ein kleiner und sinkender Teil der Beschäftigten erlebt die eigene Arbeit als nutzlos. Wo dieses Erleben auftritt, hängt es nach ihren Befunden stärker mit den Arbeitsbedingungen zusammen als mit der Art der Tätigkeit.


Wo dieser Punkt weiterführt

Ob jemand erwartet, mit dem eigenen Handeln etwas bewirken zu können, hat Albert Bandura untersucht. Diese Erwartung beschreibt die Notiz Selbstwirksamkeit.

Wie stark das Erleben eines Beitrags am Urteil anderer hängt, beschreibt Wovon man sich abhängig macht.

Bedeutsamkeit berührt die Frage, woran sich jemand im Ganzen ausrichtet. Wie sich Sinn in einer konkreten Aufgabe zeigt, beschreibt Sinn wird gefunden, nicht erfunden.


Wirkung entsteht dort, wo die Arbeit ankommt.
Wer weiß, wo das ist, erkennt den eigenen Beitrag.

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MK

Marco Kogler

System-Ersteller & Entwickler des DWNO-Systems

Der nächste Schritt

Spüre das System, bevor Du Dich entscheidest.

Die Selbstklärung dauert wenige Minuten. Sie gibt Dir eine Richtung, wo dieser Beitrag Dir im Alltag weiterhilft.

DWNO Notizen

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